Schritt für Schritt
Die Aufnahmeprüfung ist der wichtigste Moment auf dem Weg zum Cellostudium. Hier erfährst du, wie sie abläuft, welches Repertoire du brauchst und worauf es wirklich ankommt.
Wie funktioniert die Prüfung?
Die Aufnahmeprüfung läuft an allen deutschen Musikhochschulen ähnlich ab, auch wenn die genauen Anforderungen variieren. Hier der typische Aufbau.
Lebenslauf, Zeugnisse (Abitur oder gleichwertig), Empfehlungsschreiben des Hauptfachlehrers, ausgefülltes Bewerbungsformular online. Manche Hochschulen verlangen zusätzlich eine Video-Vorauswahl (z.B. Mannheim).
Programm ca. 20–30 Minuten vor der Prüfungskommission. Mindestens drei Epochen: Barock (Bach-Suite, vollständig oder ausgewählte Sätze), Klassik/Romantik (großes Konzert), Moderne (ab 1950). Die Kommission kann jederzeit unterbrechen, andere Stellen verlangen oder umstellen.
Schriftliche oder mündliche Prüfung: Intervalle, Akkorde und deren Umkehrungen, Rhythmus- und Melodiediktate, Harmonielehre/Tonsatz, Modalität. Schwierigkeit variiert — für künstlerische Studiengänge sehr anspruchsvoll.
Ein unbekanntes, stilistisch angemessenes Stück wird dir vor Ort vorgelegt und unmittelbar gespielt. Kein Vorabspielen, keine Vorbereitung. Testet musikalische Lesefähigkeit, Rhythmusgefühl und Anpassungsvermögen.
Kurzes persönliches Gespräch: musikalische Biographie, Vorbilder, Studienwünsche, Ziele. Authentizität zählt mehr als perfekte Antworten. Vorbereitung: Weißt du, warum du diese Hochschule und diesen Professor gewählt hast?
Was du vorbereiten musst
Diese Werke werden an den meisten deutschen Musikhochschulen erwartet oder empfohlen. Die konkreten Anforderungen findest du auf der Website der jeweiligen Hochschule.
Pflichtfach
Theorie ist der häufigste Schwachpunkt bei Aufnahmeprüfungen — viele Instrumentalisten unterschätzen diesen Teil. Beginne so früh wie möglich.
Intervalle auf- und abwärts hören und benennen. Dreiklänge und Vierklänge (Dur, Moll, vermindert, übermäßig, Dominantseptakkord). Melodiediktate (4–8 Takte). Rhythmusdiktate bis 32stel-Noten, Triolen, Überbindungen, Auftakte.
Alle Dur- und Moll-Tonleitern. Kadenzen, Stufentheorie und Funktionstheorie. Einfache vierstimmige Sätze. Modulationen in Nebentonarten. Schwierigkeit je nach Hochschule und Studiengang.
Empfehlung: Starte mit der Theorie-Vorbereitung mindestens ein Jahr vor der Aufnahmeprüfung. Volkshochschule, Musikschule oder Online-Kurse eignen sich gut. Viele Musikhochschulen stellen Musterklausuren auf ihrer Website zur Verfügung.
Insiderwissen
Bewirb dich gleichzeitig an mindestens 3–5 Hochschulen. Nutze frühe Prüfungstermine als Generalprobe. Jede Prüfung ist Erfahrung — und Erfahrung kostet nichts außer Reisekosten.
Viele Professoren ermöglichen Probestunden vor der Prüfung. Diese sind oft entscheidend. Schreibe formell, füge ein Video bei und frage nach einem Schnupperspiel. Zeige echtes Interesse an der Person, nicht nur an der Institution.
Wähle Stücke, die du auswendig beherrschst und in denen du musikalisch vollständig überzeugst. Ein mittelgroßes Konzert, das du wirklich lebst, schlägt ein großes, das nur technisch sitzt.
Meisterkurse bei Hochschulprofessoren (Kronberg, Rutesheim, Schlitz u.a.) sind die besten Vorbereitung. Du bekommst direktes Feedback auf Hochschulniveau, baust Vertrauen auf und lernst Professoren persönlich kennen.
Organisation
Die Fristen variieren pro Hochschule. Hier ein typischer Überblick — prüfe immer die aktuellen Fristen direkt auf der jeweiligen Hochschulwebsite.
| Semester | Anmeldefrist | Prüfungszeitraum | Studienstart |
|---|---|---|---|
| Wintersemester | Januar – April | Mai – Juli | Oktober |
| Sommersemester | Oktober – Januar | Februar – März | April |
Tipp: Manche Hochschulen (z.B. München) haben sehr frühe Fristen — im Februar für das Wintersemester. Plane mindestens 6 Monate Vorlaufzeit ein.
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