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Erfahrungsbericht

Wie ich meine Aufnahmeprüfung
bestanden habe

Von Uriel Stülpnagel · Cellist & Pädagoge · Lesedauer ca. 7 Min.

Ich weiß noch genau, wie ich zum ersten Mal vor dem Gebäude der Hochschule für Musik in Freiburg stand. Cello auf dem Rücken, Noten unter dem Arm, ein leises Kribbeln im Bauch. Es war meine erste Aufnahmeprüfung — und ich hatte sie bewusst als erste gewählt, obwohl Stuttgart mein eigentliches Ziel war.

Insgesamt hatte ich mich an vier Hochschulen beworben: Stuttgart, Freiburg, Berlin und Düsseldorf. In Freiburg habe ich bestanden — aber keinen Studienplatz bekommen, weil die Klasse bereits voll war. In Stuttgart hat es dann geklappt: Ich wurde in die Klasse von Prof. Werner Taube aufgenommen, wo ich schließlich auch mein Diplom als Musiklehrer und Orchestermusiker ablegte. Es folgten Kammermusikstudien beim Melos Quartett und ein künstlerisches Aufbaustudium bei Reinhard Korupp in Mannheim.

Heute, mehr als zwanzig Jahre später — nach Konzerten, Orchesterstellen, Musicalproduktionen, vielen Jahren Unterricht und der Gründung von cellocoach.de — sehe ich diese Zeit mit anderen Augen. Was ich rückblickend gelernt habe, möchte ich hier ehrlich teilen.

Die Aufnahmeprüfung ist nicht nur eine Prüfung deines Könnens. Sie ist ein erster Blick in deine musikalische Persönlichkeit.

Freiburg: bestanden, aber kein Platz

Die Entscheidung, mich zuerst in Freiburg zu bewerben, war eine Intuition — und sie war richtig. Ich habe in Freiburg verstanden, wie sich eine echte Aufnahmeprüfung anfühlt: die Stille vor dem ersten Ton, die Kommission, die Akustik eines fremden Raums.

Ich habe bestanden. Aber es gab keinen freien Platz in der Klasse mehr. Das war eine bittere Erfahrung — und gleichzeitig ein wichtiger Moment. Ich wusste: Ich kann es. Und ich wusste genau, was ich für Stuttgart noch schärfen musste.

Erkenntnis: Eine Absage ist nicht immer ein Urteil über dein Können. Manchmal ist die Klasse einfach voll. Deshalb: an mehreren Hochschulen bewerben, frühe Termine als echte Prüfungserfahrung nutzen — unabhängig vom Ergebnis.

Was in Stuttgart den Unterschied gemacht hat

Als ich in Stuttgart vor Prof. Werner Taube und der Kommission spielte, war ich nicht entspannt — aber ich war vorbereitet. Freiburg hatte mir gezeigt, wie sich Prüfungsdruck anfühlt. Die Nervosität war dieselbe, aber sie war vertraut.

Ich hatte mein Repertoire nicht perfektioniert, sondern verinnerlicht. Das ist ein Unterschied, den Kommissionen hören. Wer ein Stück so tief kennt, dass er es auch unter Stress noch gestalten kann, spielt musikalisch — nicht nur korrekt.

01
Freiburg hat Stuttgart ermöglichtDie erste Prüfung hat mir gezeigt, wo ich stand — und was ich noch brauchte. Ohne diese Erfahrung wäre Stuttgart anders gelaufen.
02
Repertoire, das man wirklich beherrschtNicht das technisch schwierigste Stück — sondern das, das man unter Druck noch musikalisch gestalten kann. Das hört die Kommission sofort.
03
Ehrlichkeit im GesprächKommissionen hören täglich aufbereitete Antworten. Wer authentisch antwortet — auch wenn die Antwort nicht glatt ist — fällt auf.
04
Täglich Blattspiel geübtJeden Morgen fünf Minuten unbekannte Stücke vom Blatt — Etüden, Kammermusikparts, alte Ausgaben. Unangenehm, aber enorm wirksam.

Was ich heute meinen Schülern sage

Nach über zwanzig Jahren als Cellist — mit Konzerten, Orchesterengagements, Musicalproduktionen in Stuttgart, langjähriger Tätigkeit als Juror bei Jugend musiziert und der Gründung von cellocoach.de — habe ich viele Seiten dieser Prüfungssituation erlebt. Als Bewerber, als Kollege, als Lehrer, als Juror.

Was sich mir dabei eingeprägt hat: Kommissionen entscheiden nicht nur nach Noten. Sie suchen Menschen, die musikalisch denken — die einen Ton gestalten statt ihn nur zu produzieren, die den Raum füllen, die etwas zu sagen haben.

Technik öffnet die Tür. Musik entscheidet, ob du eingeladen wirst.

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Hinweis: Inhalte mit KI-Unterstützung recherchiert. Angaben ohne Gewähr. Bitte auf offiziellen Hochschulwebsites prüfen. — Letzte Aktualisierung: 26.04.2026